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Andreas Petersen
Herr Petersen, sie waren viele Jahre beim SV Südharz Walkenried nicht nur für das Sportliche verantwortlich, sondern haben gemeinsam mit dem leider verstorbenen Hauptsponsor und Präsidenten Gerhard Will sen. ebenso die Südharzer Vereinsarbeit maßgeblich mit gestaltet. Wie leicht fiel der kurzfristige Wechsel zum VfB Germania?
Ein Vereinswechsel fällt selten leicht. In Walkenried war ich mit ein paar Unterbrechungen mehr als zwölf Jahre tätig, dies war fast wie eine Ehe, da ist eine Trennung nicht einfach. Wir hatten in dieser langen Zeit viel Spaß am Fußball und vor allem war der Zusammenhalt beim SV Südharz sensationell. Mit dem SVS sind wir in diesem Zeitraum zweimal aufgestiegen und haben sehr oft vordere Tabellenplätze belegt. Diese Erfolge waren natürlich auch ein Grund dafür, lange dort bleiben zu können, aber auch zu wollen. Dann ist plötzlich Präsident Will verstorben und kurz darauf bekam ich das Angebot von Halberstadt. Das waren schwierige Tage für mich, aber letztendlich hatte ich das persönliche Ziel, noch mal höherklassig zu arbeiten. Bereut habe ich den Wechsel zur Germania nie. Ich freue mich auf die neuen Aufgaben und nehme die Herausforderung hoch motiviert an.

Mit dem verlorenen Pokalspiel in Magdeburg und der Heimniederlage gegen Zwickau hatten sie keinen glücklichen Halberstädter Start. Was geht da einem durch den Kopf, zumal ja auch Stimmen im Umfeld und bei den Fans laut wurden, die den plötzlichen Trainerwechsel hinterfragten?
Erstmal vorne weg... Der Zeitpunkt für Veränderungen im Fußballgeschäft ist nur sehr selten beeinflussbar. Wenn sich solch eine Möglichkeit ergibt, sollte man sie nutzen, und dabei achtet ein Trainer in der Regel nicht auf die anstehenden Spiele, ich zumindest nicht. Ich wusste, dass die Rahmenbedingungen in Halberstadt stimmen, und ebenso war von Anfang an klar, dass wir im Abstiegskampf viel Schweiß und Nerven lassen werden.
Es gibt hier eine tolle Mannschaft und ich habe definitiv die richtige Entscheidung getroffen. Nach dem unglücklichen Aus im Pokal und der Niederlage gegen Zwickau haben die Alarmglocken natürlich laut geschellt. In der Analyse des Ligaspiels wurde aber auch deutlich, gegen Zwickau haben wir zuviel gewollt. Wir spielten dort voll auf Sieg, um den Klassenerhalt vorzeitig zu sichern, statt den einen Punkt mitzunehmen. In dieser Partie haben wir taktische Fehler gemacht, zu offensiv agiert und die Sachsen haben dies clever ausgenutzt. Für uns Trainer, da beziehe ich meine Kollegen Frank Lindemann und Eike Engel mit ein (Co-Trainer und Torwart-Trainer, die Redaktion), wurde somit einiges offensichtlich. Im konditionellen und taktischen Bereich wollten wir besser arbeiten und in den folgenden Spielen sollte die Mannschaft kompakter und defensiver agieren. Das hat die Mannschaft auch ganz gut umgesetzt.

Sie sind jetzt seit knapp 80 Tagen als neuer Germania-Cheftrainer im Amt. Ziehen sie doch bitte mal ein kleines Fazit ihrer bisherigen Arbeit.
Ich habe viel Positives mitgenommen. Aus den letzten beiden, den wichtigsten Spielen der Saison, holten wir die optimale Ausbeute von sechs Punkten. Damit haben wir eindeutig die Berechtigung zum Oberligafußball erlangt. Der Verein, die Fans und auch die Mannschaft gehören in diese Liga. Natürlich gibt es auch die eine oder andere "Baustelle" im Verein, aber die Halberstädter Gegebenheiten sind insgesamt ok. Besser werden kann und sollte es immer. Außerdem verfüge ich mit Physiotherapeutin Sabine Wiedemann, meinen beiden Co-Trainern Lindemann und Engel, Mannschaftsleiter Frank Bergmann und Geschäftsführer René Cunaeus über ein Super-Team. Da macht die Arbeit sehr viel Spaß.

Wie sieht ihr persönlicher Rückblick der letzten Monate aus und wo sehen sie die Gründe für den enttäuschenden Halberstädter Saisonverlauf?
In Halberstadt wurde nach der tollen Saison 2005/06 und dem hervorragenden sechsten Platz so einiges falsch bewertet, teilweise sogar überschätzt. Man dachte hier, es geht weiterhin bergauf, die Saison wird ein Selbstläufer, ohne dass sich die Mannschaft und das Umfeld weiterentwickelt haben. Eine gewisse "Blauäugigkeit" ist nicht von der Hand zu weisen. Es wurde vergessen, dass die guten Ergebnisse über einen längeren Zeitraum immer wieder bestätigt werden müssen und dabei auch Rückschläge mit einkalkuliert sein sollten. Ebenso hat man die Anforderungen an die Spieler nicht konsequent hinterfragt. Auch ich habe zudem schnell gemerkt, dass diese Oberliga viel stärker ist, als Außenstehende vermuten. Trotzdem, wir haben eine Berg- und Talfahrt hinter uns gebracht und sind letzten Endes mit einem blauen Auge davon gekommen. Außerdem möchte ich betonen, nicht alles war in der letzten Saison schlecht. Allein die Leidenschaft, die in den letzten Begegnungen von den Spielern und Fans gezeigt wurde, das war schon sensationell.

Sie haben des Öfteren den Fitnesszustand ihrer Spieler kritisiert. Richtet sich diese Kritik auch an Ex-Trainer Thomas Pfannkuch bzw. was ist da schief gelaufen?
Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie und das ist auch gut so. "Pfanne" ist keineswegs ein schlechter Trainer, er hat den Spaßfußball bevorzugt. Bei mir gibt es eine andere Art von Spaß. Ich lege sehr viel wert auf Trainingsfleiß und einen entsprechend guten Fitnesszustand. Dann kommt auch die Freude am Fußball nicht zu kurz, aber dafür müssen ebenso die Ergebnisse stimmen. So setzt jeder Trainer andere Schwerpunkte. Bei mir sind es Laufbereitschaft, Siegeswille, Teamgeist und Leidenschaft. Dies ist für meine Arbeit extrem wichtig. Außerdem darf man nicht vergessen, der Übergang vom Spieler zum sofortigen Trainerjob ist für Thomas nicht gerade einfach gewesen. Auch die Spieler sollten sich hinterfragen, ob sie in der letzten Saison unter ihrem Ex-Coach alles richtig gemacht haben, denn auch sie sind mit ihren Möglichkeiten teilweise fahrlässig umgegangen. Jetzt heißt es aber nach vorn zu schauen, aus den Fehlern zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

In der abgelaufenen Serie konnten wir bei 44 Gegentoren immerhin 43 eigene Treffer erzielen. Dies ist der viertbeste Wert der Liga. Dem entgegen haben jedoch auch nur drei Mannschaften mehr Tore als Germania zugelassen. Hatten wir ein Abwehr- oder Angriffsproblem?
Wenn man bedenkt, wie viele Chancen wir noch vergeben haben, muss man den Finger schon in die "Abwehrwunde" legen. Dies gilt jetzt nicht für einzelne Spieler. Defensivarbeit beginnt bereits im Angriff. Dort müssen die Bälle einfach länger gehalten oder zurück erkämpft werden, und letztendlich ist die gesamte Mannschaft für das Verhindern von Gegentoren verantwortlich. Natürlich begünstigten auch einzelne Fehler die etlichen Treffer der Gegner. Nur sehr selten sind wir wirklich ausgespielt wurden. Dies darf man bei dieser Statistik nicht vergessen.

Immerhin entstanden 15 Treffer der gegnerischen Mannschaften durch individuelle Fehler ihrer Spieler. Wie kann man diese Anzahl in Zukunft minimieren?
Meine Jungs sollten immer mit Fehlern ihrer Mitspieler rechnen, vor allem bei der Defensivarbeit. Die gegenseitige Unterstützung ist extrem wichtig. Hierbei komme ich auf die Fitness der einzelnen Akteure zurück. Richtig austrainierte Spieler können sich auch über 90 Minuten oder länger voll konzentrieren. Zeigt man jedoch körperliche Schwächen, sinkt ebenso die Konzentration und es kommt zu den besagten Unzulänglichkeiten. Trotzdem ist aber auch eins entscheidend. Tore entstehen nun mal durch Fehler, ansonsten würde jedes Spiel 0:0 ausgehen. Dies sollte jedem Fußballinteressierten klar sein. Wir werden alles dafür tun, dass die Mannschaft zum ersten Spieltag topfit ist. Der Rest kommt dann von ganz allein.

Außerdem gab es eine große Diskrepanz zwischen der Heimtabelle und der Auswärtsbilanz. In heimischen Gefilden waren wir das viertbeste Team, auf des Gegners Plätzen jedoch die zweitschlechteste Mannschaft. Woher kommt diese eklatante Auswärtsschwäche und was können sie daran in der kommenden Saison ändern?
Wenn man bedenkt, dass wir zu Hause unter meiner Leitung gegen Meuselwitz und Dessau noch Punkte verschenkt haben und auch mit Ex-Trainer Pfannkuch gegen Halle und Leipzig unglücklich verloren wurde, ist diese Heimbilanz eigentlich richtig stark. Ebenso möchte ich einsmal ausdrücklich betonen. Wir haben klasse Fans, aber im Friedensstadion auch ein sehr kritisches Publikum. Gerade wenn es mal nicht so gut läuft, brauchen wir die Unterstützung der Zuschauer. Auch der zwölfte Mann verhilft zu drei Punkten. Meine Spieler agieren nicht selbstbewusster, wenn von draußen viele negative Stimmen zu hören sind. Wir brauchen auch mal positive Kritik.
Was die Auswärtsschwäche angeht, haben wir bei den Gegnern wirklich ein ganz schlechtes Gesicht gezeigt. Das hat richtig wehgetan. Nur drei auswärtige Siege sind eindeutig zu wenig. Diese enttäuschende Bilanz muss auf jeden Fall in der neuen Saison besser werden. Eventuell werden wir die positiven Erkenntnisse vom Auerbach-Spiel nutzen und zu weiten Fahrten erneut einen Tag eher anreisen. Die Spiel-Vorbereitung läuft dann eindeutig besser und die Mannschaft geht ausgeruhter in die Partie.




 

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